Geschichte

Der Klostertorkel

Churwaldner Klosterwirtschaft in Maienfeld

Der Klostertorkel im Vorderwinkel gehörte einst dem Kloster Churwalden. In einem Kaufbrief ist überliefert, dass dieses am 6. Mai 1494 in Maienfeld ein Haus ‚an der zur Festung gehenden Strasse‘ erworben hatte. Dieses muss Teil des Klosterhofes gewesen sein, welcher gleich hinter dem Schloss an der Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert lag. Zum Gut gehörte auch die Familiengruft der Freiherren von Vaz, Stifter des Klosters Churwalden. Zwischen 1334 und 1338 wurde Donat, der letzte Freiherr von Vaz, mit Harnisch und Schild hier zur Ruhe gelegt. Nach der Reformation wurde das Kloster Churwalden geplündert, und auch die Güter in Maienfeld gingen verloren. An der Stelle des Klosterhofes steht heute ein Herrschaftssitz aus dem 17. Jahrhundert, das ‚Enderlinhaus‘, von den Maienfeldern immer noch Klosterhof genannt.

Der Klostertorkel einst…

Die Churwaldner Prämonstratenser waren nicht allen Freuden abhold. Daher hatten sie in Maienfeld schon bald nach der Klostergründung zahlreiche Weinberge gekauft. Der Klostertorkel hat als bis heute sichtbarer Zeuge dieser Churwaldner Klosterwirtschaft überlebt. Er gehörte einst zum unterhalb anschliessenden Haus, welches vermutlich das Gesindehaus des Klosterhofes war. Im Klostertorkel wurde vor allem Weisswein gekeltert. Dazu trennten die Mönche die Stiele ab und schöpften Saft und Haut der Beeren in die Gärbütten. Den Wein trugen sie trüb ab Presse in den Keller.

Die Presse war das Herzstück des Torkels, im Klostertorkel zeugt von ihr jedoch nur noch die Vertiefung im Boden. Ob der Wein für den Eigenverbrauch der Mönche oder auch als Handelsgut verwendet wurde, ist nicht zweifelsfrei bekannt. Bekannt hingegen ist, dass er von den Mönchen zu ihrem Abendgebet, der Completa, getrunken wurde – und das wohl nicht zu knapp. Die dazumal angebaute Traubensorte, der Completer, wird heute noch in kleinen Mengen in der Bündner Herrschaft angebaut.

… und heute
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im Klostertorkel kein Wein mehr gekeltert, er diente als Heubühne, Wagenschopf und Lagerraum. 1978 übernahm das Malanser Architektenpaar Yvonne und Fortunat Held den Klostertorkel und betrieb während acht Jahren eine Kunst-Galerie. Im Jahre 2001 suchte das nach Maienfeld heimkehrende Ehepaar Züsi und Jürg Mutzner-Gloor einen Platz für ihr Auto und kaufte den Klostertorkel. Doch angesichts des reizvollen Baus aus Maienfelds Mittelalter beschlossen sie, dass dieser weiterhin Kulturraum sein soll. Seither stellen sie ihren Klostertorkel dem Verein «Kultur Herrschaft» unentgeltlich für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.